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Bogenbaulehrgang in Langen

am 22.-24.9.2006 auf dem Grundstück des Langener WV „Im Birkengrund“

I. Teilnehmer: Zum Bogenbaulehrgang des Langener Wandervogels kamen acht Teilnehmer, von denen fünf bei der Wildniswoche in den Osterferien dabei waren: Tobias K., Tobias und Tamara van Roo, Liam, Vincent, Christian, Carola und ich; dazu kamen noch vier Eltern. Am Sonntag entstand ein neunter Bogen für einen Siebenjährigen. Am Samstag kamen zusätzlich z.T. sehr fleißige Gäste.
Zur Erklärung: Alle, die jünger als 14 Jahre waren, brauchten auf Verlangen der Wildnisschule von Wolfgang Peham einen Elternteil, der mithelfen musste, das schwierige Werk des Bogenbaus zu vollenden, weil es zu schwer für Jüngere war, das allein zu schaffen.

II. Die Leitung hatte Peter Bauer aus Thüringen, nachdem wegen Knöchelbruchs am Montag zuvor Matthias Kitzmann ausgefallen war und ich die Wildnisschulen von Wolfgang Peham, Gero Wever und zum Schluss des uns schon von 2001 vertrauten Eifelscouts Uwe Belz angerufen hatte, durch dessen Telefonate dann Peter Bauer gefunden wurde, der am Mittwochabend sein Kommen für das Wochenende noch zusagte: Rettung in fast letzter Minute!

(Fortsetzung unter den Bildern)

Bogenbaulehrgang

III. Verlauf
Am Freitagnachmittag bauten wir die Jurte auf und sammelten Feuerholz Bald brannte zwischen Hütte, Jurte und Birken ein lustiges Feuer. Fast alle verfügbaren Tische wurden danach auf dem Grundstück aufgestellt, das Wetter war uns gut gesonnen, und ca. eine halbe Stunde – dann war es dunkel – zeigte uns Peter Bauer verschiedene Bögen und führte uns in das Bogenbauen und seinen Sinn ein.

Dann holten wir unser mitgebrachtes Abendessen heraus. Der einleitende Kanon „Kommt das Essen ist bereitet ...“ klang vierstimmig schon recht gut! Der Abend verlief mit Gesprächen und Schlafstellenbau innerhalb und außerhalb der Jurte. Einige machten noch eine Nachterkundung.

Am Samstagmorgen gab es zunächst einen kleinen Spaziergang und eine Morgenrunde mit einem Lied, Beiträgen jedes Teilnehmers zu seinen Beweggründen, einen Bogen zu bauen, und einem Tanz.

Nach dem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück versammelte uns Peter Bauer wie am Abend um seinen Arbeitstisch; dahinter war auf einem Plakat sein Bogenbau-Modell zu sehen. Jeder Teilnehmer erhielt ein Manau-Rundholz, eine Lianenart aus dem fernen Asien, besonders gut zu bearbeiten. Die Länge richtete sich nach der Größe jedes künftigen Schützen, gemessen vom Boden bis zum Kinn. Die unbiegbaren Rundhölzer wurden in der jeweiligen Länge abgesägt. Jeder beschriftete mit Bleistift sein Holz in der Mitte mit seinem Namen. Peter zeigte uns, wie wir nun mit Metermaß und Bleistift umzugehen hatten. In der Mitte blieb das Holz unverändert, beiderseits daneben gab es einen Übergang, und an den beiden langen Enden musste dann die Hälfte des Durchmessers eingezeichnet werden: mit einem Kohle-Faden wurde der gesamte Bogen doppelt markiert, Innen und Außen des Bogens nach dem Wuchs des Holzes festgelegt.
Mit Holzraspeln und Hobeln musste nun bis zur Kohle-Markierung das Innere bis zum Strich heruntergearbeitet werden, Kerben wurden gemacht und das Bogenseil abgemessen und erstmals der Bogen mit besonderer Körperhaltung mit leichter Spannung gebogen und mit Schnur bespannt.
Und welch ein Staunen, wie elastisch sich nun der Bogen bog!

Unterbrochen wurde die Arbeit durch unser selbst gekochtes Mittagessen: Kartoffeln und leckeren Quark, dazu allerlei Rohkost. Herr van Roo kam und begann uns zu fotografieren, was seine Frau dann später fortsetzte, weshalb wir nun schöne Foto-Aufnahmen haben: großen Dank dafür! Am Nachmittag begann dann das Tillern: Die Bögen wurden auf einen Maßstock aufgelegt, das erst leicht, dann immer straffer gespannte Seil unten in eine der vielen Kerben des Stockes eingehängt und beobachtet, welche Bogenhälfte stärker bzw. weniger stark gebogen war. Wo das letztere der Fall war, zeichnete Peter Bauer rote Schraffuren auf das Holz, und das mit der roten Farbe markierte Holz wurde abgehobelt. Wenn beide Seiten sich gleichmäßig bogen, war es geschafft, und nun wurde das Holz mit Schmirgelpapier geglättet.

Das alles war allerdings recht Kräfte zehrend. Für drei jüngere Teilnehmer arbeiteten nur noch die Eltern. Am Samstag gegen Abend hatten die meisten es so weit geschafft, und kurz nach 18.00 Uhr beendeten die ersten ihre Arbeit.

Unterdessen war Frau Ilgen mit Brotteig für drei Brote gekommen, und Julian, ihr Sohn, hatte unseren im Freien stehenden Backofen angeheizt.

Und kurz nach 19.00 Uhr erklang dann sehr gut unser o. e. Kanon, und das Brot und übrige Essen in großer Runde um Tische und am Feuer mundete allen vorzüglich. Dank an Frau Ilgen und Julian für das leckere Brot!

Zwei Stunden sangen wir in der Hütte und erzählten Geschichten aus Griechenland. Es war ein schöner Abend. Danach saßen wir noch lange draußen am Lagerfeuer, worum diese Nacht vier Leute schliefen.

Wie am Samstag weckte ich auch am Sonntagmorgen um 7.15 Uhr mit einem von Gitarre begleiteten Lied. Eine halbe Stunde später übten wir das Anschleichen im Fuchsgang und machten unsere Morgenrunde.

Nach dem Frühstück leerte uns Peter Bauer das Zuschneiden von Federn und das Ankleben auf Pfeile. Einige mussten auch ihre Bögen noch zu Ende glätten. Und Sabine van Roo fertigte für ihren jüngsten Sohn im Eilverfahren auch noch einen kleinen Bogen mit Pfeil, damit er nicht hinter den Geschwistern zurückstehen musste.

Nach dem Mittagessen (Käsenudeln, Salate und Tomatenmark) übten wir dann das Bogenschießen. Jeder kam drei- bis viermal dran, und gleich erscholl der Ruf, einen Schießlehrgang zu machen. Der wurde fürs nächste Jahr in Aussicht genommen. Unglaublich, wie sich der Bogen spannen ließ und wie weit die Pfeile flogen, oft weit über das Ziel hinaus. Ein Pfeil verschwand in den Kronen auf Nimmerwiedersehen.

Mit einer Schlussrunde, bei der jeder das erzählte, was ihm am meisten und am wenigsten gefiel, mit Hinweisen auf die nächsten Treffen und mit Aufräumen endete dieser bei herrlichstem Sonnenschein durchgeführte und von allen als sehr schön empfundene Lehrgang. Peter Bauer wurde von uns allen sehr gedankt, auch denen, die sich die ganze Zeit emsig ums Essen gekümmert hatten.

Eine Trübung des Ganzen: Alles für den Winter vorgesehene Feuerholz wurde im ständig brennenden Lagerfeuer verheizt. Ein wenig dünneres Astholz haben wir im Wald noch gesammelt, aber da muss noch mehr her und alles gebrochen bzw. gehackt werden!

Gerhard